20
Mrz
2020
3

#Feuerfest: Felisa Peral

Mein Lieblingsbuch ist Der Kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupéry. Ich weiss, das ist eine ungewöhnliche Art sich vorzustellen. Dazu eine Stelle aus dem Buch:

Die grossen Leute haben eine Vorliebe für Zahlen. Wenn ihr ihnen von einem neuen Freund erzählt, befragen sie euch nie über das Wesentliche. Sie fragen euch nie: Wie ist der Klang seiner Stimme? Welche Spiele liebt er am meisten? Sammelt er Schmetterlinge? Sie fragen euch: Wie alt ist er? Wie viele Brüder hat er? Wie viel wiegt er? Wieviel verdient sein Vater? Dann erst glauben sie, ihn zu kennen.1

Ich könnte euch von meinem beruflichen Werdegang erzählen, von den Jobs meiner Eltern und euch Fakten wie Alter und Grösse auflisten. Aber kennt ihr mich dann wirklich? Mit Menschen ist es wie mit Worten: Erst durch eine Geschichte bekommen sie eine wahre Wirkung. Ich möchte mich also mit einer kleinen Geschichte aus meinem Leben vorstellen.

Feuerfest

Seit zwei Jahren bin ich ehrenamtlich bei der Milizfeuerwehr der Stadt Zürich. Das ist mehr als ein Hobby. Am Anfang erprobte ich als Rekrut den Umgang mit Feuer. Die Alteingesessenen führen einen langsam an die Flammen heran. Eigentlich stimmt das nicht, sie schmeissen dich schon früh ins kalte Wasser, also sprichwörtlich. Wortwörtlich wird man ins Feuer geschmissen. Früher oder später kommt es zum Ernstfall, zum Einsatz. Es bleibt nichts anderes übrig, als das Erlernte irgendwie umzusetzen, zu funktionieren, über den eigenen Schatten zu springen und: einfach zu machen! Das Feuer hat mich mehr gelehrt, als dutzende Lehrer es je werden. Feuer zu löschen heisst Ängste zu besiegen, an sich selber zu wachsen, mutig zu sein, aber trotzdem bedacht. Einem meterhohen Feuerwall erstmals gegenüberzustehen fühlt sich an, wie dem Teufel höchstpersönlich in die Augen zu starren. Es ist furchteinflössend, aber wunderschön. So verhält es sich mit vielem: Erst herrscht die Angst, dann überwindet ihr sie, und dann macht es auf einmal Spass. Aber mit dem Feuer wird natürlich nicht gespielt. Ausser man ist bei der Feuerwehr, wir dürfen das. Feuerwehr heisst Teamgeist. Dein Kamerad ist deine Lebensversicherung. Du musst vertrauen. Auch auf deinen Bauch. Du musst lernen, zu fühlen bis wo und nicht weiter. Und das wichtigste: Ruhe bewahren, auch wenn um dich herum alles schreit.

 

Mir geht es hier nicht um das Feuerwehrhandwerk, sondern um Sachen, die im Leben wichtig sind: Vertrauen, Mut, Grösse, Ehrlichkeit, Zusammenhalt, Solidarität, Verantwortung, Passion.

 

Felisa Peral

 

 

1 Antoine de Saint-Exupéry: Der Kleine Prinz. Karl Rauch Verlag, 2002, S. 18.

 

 

1 Response

  1. Annette

    Tolles Bild, tolle Überschrift, toller Text. Hat mich gleich gepackt und nicht mehr losgelassen. Am Ende bleibt aber die Frage: Und die Texterin Felisa? Vielleicht könntest Du uns Lesenden noch ein, zwei Stricke hinhalten, an denen wir uns aus dem Feuer des Spekulierens auf kühlen, sicheren Boden retten können: Wo wir dann genau wissen, welche Art von Kohlen Du am liebsten aus der Schreibhölle rettest.

Leave a Reply