12
Mrz
2020
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#Perlentaucherin

Die Wellen der Begeisterung gehen hoch

Der Abend dämmert. Ein kalter Wintertag anfangs Dezember neigt sich langsam seinem Ende. Der lilafarbene Horizont schenkt den vorbeiziehenden Wolken eine malerische Kulisse. Wir schreiben das Jahr 1997. Meine Mamma sitzt am runden Esstisch gegenüber der Küche und schreibt. Ich klettere auf den freien Stuhl neben sie und sehe ihr zu. Mein Blick folgt ihren schwungvollen Handbewegungen. Die Tinte ihrer Füllfeder malt blaue, zusammenhängende Lettern auf weisses Briefpapier. Ich erstaune und fühle in mir das Bedürfnis, ihr gleich zu tun. Bald schon habe ich einen Schreibstift in der Hand und sitze vor einem weissen Papier. Mit meinen sechs Jahren schreibe ich Wellen – kurze und raue, glatte und lange, schnelle und schwungvolle.

Liebe auf den zweiten Blick

Das Interesse und die Freude am geschriebenen Wort hatte ich von Kindesbeinen an. Alles fing mit verbogenen Giraffenhälsen, grossen runden Eulenaugen und rücklings liegenden Elefanten an: Jeden Abend vor dem Einschlafen betrachtete ich die bizarren Buchstabentiere. Sie schmückten die schrecklichen Vorhänge, die mein Kinderzimmer nachts abdunkelten. In der Schule lernte ich die Buchstaben dann ohne ihre merkwürdigen Kostüme kennen. Ich übte sie zu schreiben und fing an, sie gar zu lieben – begeisterten sie mich doch um einiges mehr als Zahlen.

Stille Wasser sind tief

Als introvertiertes Kind genoss ich die Zeit, die ich mit mir allein verbrachte. Bücher nahmen mich mit auf grossartige Abendteuer. In der dritten Klasse fing ich an, ein «Ideenheft» zu schreiben. Jede Woche hielt ich darin eine fantasievolle Geschichte oder ein unvergessliches Erlebnis fest. Einmal in der umgangssprachlichen «Schnüerlischrift», ein andermal in der sogenannten «Steinschrift» und immer begleitet von zeichnerischen Kunstwerken. Die Gewohnheit zu schreiben, verlor ich von da an nicht mehr. Auch die Launen meiner Schrift lebe ich weiterhin aus. So, wie meine Stimmung wechselt, ändert sich meine Schrift. Sie ist Ausdruck meiner Persönlichkeit, meines Charakters. An meiner Schrift erkenne ich meine Stimmung.

Alles Text, was glänzt

Nach der obligatorischen Schulzeit widmete ich mich einer kaufmännischen Lehre, der Berufsmatura, einem Kommunikationsstudium und dem Fachausweis als Texterin. Nebenbei die wichtigen Dinge im Leben nicht vergessen – ein nettes Wort, ein ehrliches Kompliment, eine kleine Liebeserklärung. Das war und ist immer noch meine Art zu sein. Als #Perlentaucherin tauche ich immer tiefer nach den Perlen der Schreibkunst, um für Sie die Schätze aus der Tiefe zu heben. Und es lohnt sich, denn ich bin überzeugt: Überall lauert eine Geschichte, die darauf wartet, entdeckt, ausgegraben, gehört, geschrieben und – Hand aufs Herz – gelesen zu werden.

 

Anna Montanato

 

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