12
Mrz
2020
6

#SUNBLOGGER

In der Blogserie «Bewerbungen: Sonne und Finsternis» feuere ich Textjobsuchenden einige Texttools und Mindsettings in die Umlaufbahn, die sie bei ihrer Mission unterstützen sollen. Und wir fahren die Schutzschilde vor fiesen Fallen hoch.

  • Ohne Sonne kein Leben Lieber keine Bewerbung als eine lahme Bewerbung.
  • Wärme Wie Texte Sympathien wecken.
  • Laser Ein einfacher Trick für einen übersichtlichen CV.
  • Schattenspiel Du willst etwas bewusst nicht sagen? Dann mit Eleganz.
  • Energie Vom Fahrrad, das so gern eine Rakete sein wollte.
  • Sun & Fun We love to entertain you.
  • Sonnenklar Mut zu Transparenz und offenen Worten.
  • Photosynthese Im Kopf des Lesers schreiben.
  • Supernova Wie man ehrliches Feedback auf Absagen einholt.
  • Sonnige Sonnensonne Wieviel «ich» duldet der Leser?
  • Es werde Licht Worten müssen Taten folgen (oder vorausgehen).
  • Strahlkraft Polieren, bis es glänzt.

Sonnenklar: Mut zu Transparenz und offenen Worten

Kein Drama-Trick, sondern grosses Indianer-Ehrenwort: Dieses Thema liegt mir so sehr am Herzen, dass ich den Anfang schon dreimal neu geschrieben habe. Ich lüge. Siebenmal.

Denn es geht nicht nur um ein einzelnes Tool, sondern um etwas Elementares, um eine Grundgesinnung beim Schreiben.

Den Mut, tatsächlich das zu schreiben, was man zu sagen hat.

Sonnenklar eigentlich. Was soll man denn auch sonst schreiben.

Und doch beobachte ich in meinem Bekanntenkreis immer wieder, wie kluge und selbstbewusste Menschen daran scheitern, ein aussagekräftiges Bewerbungs-Schreiben zu verfassen. Sie setzen sich so sehr unter Druck, stilistisch alles «richtig» zu machen, dass sie darüber völlig vergessen, etwas Interessantes über sich zu erzählen. Stattdessen werden überholte und nichtssagende Floskeln bemüht, damit überhaupt etwas dasteht.

«Mit grossem Interesse habe ich Ihr Inserat gelesen und möchte mich auf die ausgeschriebene Stelle bewerben.»

Das war dem Empfänger schon beim Betreff klar.

Licht ins Dunkel bringen

Wenn ich dann im Gespräch nachfrage, warum sie sich überhaupt auf die Stelle bewerben, kommen Argumente wie «Der Arbeitsweg ist kürzer und ich kenne ein paar, die dort arbeiten. Ist wohl ganz okay.»

Na also: «Winterthur ist meine Heimatstadt, ich fühle mich der Region sehr verbunden. Herr Sturzenegger aus Ihrer Finanzbuchhaltung und Frau Steiner aus dem Labor kenne ich privat, sie haben sich positiv über Sie als Arbeitgeber geäussert. Es ist mir daher eine grosse Freude, mich Ihnen heute vorzustellen.» 

(Das empfiehlt sich natürlich nur, wenn Herr Sturzenegger und Frau Steiner keine stadtbekannten Saufnasen sind.)

Meistens kommt jetzt mein Liebling-Moment beim Bewerbungs-Coaching: Die aufflackernde Erkenntnis, dass man bei einer Bewerbung ja wirklich etwas von sich erzählen kann.

Natürlich ist nicht jeder als Texttalent geboren. Aber die meisten sind in der Lage, völlig lockere E-Mails oder SMS zu schreiben und sich offen mitzuteilen. Sobald es aber «offiziell» wird, wie zum Beispiel bei einer Bewerbung, verkrampfen sich viele. Aus lauter Vorsicht, man könnte nicht professionell genug wirken, zu viel oder etwas Falsches sagen.

Wie mutlos. Und schade.

Möchtest du dich selbst kennenlernen?

Frage dich: Wen würdest du lieber kennenlernen (denn darum geht es ja zunächst)? Jemand, der sich selbst in einem tadellosen, aber furzlangweiligen Dossier als «charismatische Leaderpersönlichkeit» beschreibt oder jemand, der zwar einen Anhang vergessen hat aber davon berichtet, wie er als Trainer der Hockey-Junioren die Jungs, das Material und die nervösen Mütter gleichzeitig managt?

  • Erst denken, dann schreiben. Dein Gedanke bestimmt den Satz
  • Verzichte auf Phrasen und bürokratische Formulierungen
  • Je einfacher du schreibst, desto verständlicher ist es
  • Je einfacher du schreibst, desto ehrlicher wirkt es
  • Jobsuche ist selbst schon ein Job. Passe deine Bewerbung auf das jeweilige Inserat an. Massenbewerbungen werden schnell entlarvt und abgestraft.

Das Hellste zum Schluss

Du hast diesen Blog gelesen, weil du dir Ehrlichkeit, Transparenz und offene Worte wünschst. Wenn du also eine Absage erhältst, weil dem Arbeitgeber deine Bewerbung zu offen war, dann ist das völlig in Ordnung. Du wärst in dieser Firmenkultur wahrscheinlich nicht glücklich geworden.

1 Response

  1. Pingback : Anja Wälchli › #WIEWEITERIMTEXT

Leave a Reply