27
Mai
2020
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Von Schiffen und Schriften

Können Sie sich vorstellen wie es ist, hinter einem fünfzig Meter langen, geschwungenen Bartresen zu stehen und eine Welle von durstigen Menschen auf sich zu rennen zu sehen? Genau dieses Szenario beschreibt eine der spannendsten Zeiten meiner Karriere.

Als Senior Barkeeperin arbeitete ich ein halbes Jahr auf einem Kreuzfahrtschiff. Ein Knochenjob, der ebenso herausfordernd wie lehrreich war. Dennoch war ich mit Feuer und Flamme dabei. Einmal in der Woche wurde eine Sicherheitsübung mit allen Gästen und Mitarbeitern durchgeführt, diese war obligatorisch und direkt nach der Übung machten sich sämtliche Gäste auf den Weg, um sich ihren all-inclusive-Drink zu sichern.

Also stand ich nach der Übung an der Bar und sah einen Strom von Gästen auf mich zu kommen und ich empfand nichts als Freude und Aufregung. Ich liebte diese Herausforderungen immer sehr, und schaffte es jedes Mal mit etwa dreihundert Cocktails, die Gästen den Unmut über die Übung vergessen zu lassen. Niemand von uns wusste, dass wir noch wenige Tage danach dankbar für die erhaltenen Instruktionen sein würden …

Meine Berufserfahrung sammelte ich nicht nur als Barkeeperin. Auch als Direktionsassistentin eines Sternehotels, Küchenpraktikantin eines Gourmet-Restaurants und stolze Schülerin einer renommierten Hotelfachschule war ich immer mit voller Leidenschaft dabei. Mein Gastro-Leben war lebendig, bunt und ich habe vor Freude vor Funken nur so gesprüht. Dabei sind es rückblickend vor allem die schwierigen Momente, welche die spannendsten Geschichten schrieben. Zum Beispiel als ein Feuer auf dem Kreuzfahrtschiff ausbrach:

Es war mitten in der Nacht und ich schlief nach einer weiteren zwölf-Stunden-Schicht tief und fest als mich die Bordansage mit dem Ausruf: «Oskar, Oskar, Oskar» weckte. Der Seemanns-Code für Feuer. Innerhalb von wenigen Minuten war die gesamte Crew auf den Beinen, jeder wusste ganz genau was zu tun war. Gäste wurden aus ihren Kabinen geführt und an den einzelnen Sammelstellen durchgezählt. Wir waren mitten auf hoher See etwa einen Tag von der nächsten Küste entfernt, würde das Feuer also nicht schnellstens gelöscht, drohte die Evakuierung auf die Rettungsboote. Quälende sechzig Minuten später dann die erlösende Nachricht, das Feuer war gelöscht und wir konnten zurück in unsere Kabinen. Erst später erfuhr ich, dass wir nur wenige Minuten vor einer Explosion gestanden hatten.

Bis heute ist dieses Erlebnis eines der dramatischsten meiner Karriere und reiht sich in eine riesige Sammlung prägender Erinnerungen ein. Irgendwo zwischen schmutzigen Tellern und anspruchsvollen Gästen fand ich dann Jahre später zu meiner zweiten Leidenschaft – der Kommunikation – und wurde Texterin. Glücklicherweise lassen sich meine beiden Funken wunderbar kombinieren, denn es ist meine Lebensgeschichte, die die wildesten Zeilen schreibt und mein erlangtes Fachwissen, das sie lesenswert macht. Meine Berufserfahrung befähigt mich die Komplexität der Kommunikation, Gastronomen und Hoteliers näher zu bringen und sie praxisnah zu beraten. Ich kenne die Denkensweisen und alltäglichen Probleme der Branche und kann so Kampagnen und Texte gestalten, die genau auf den Betrieb zugeschnitten sind.

Meine Texte sind genauso echt wie meine Erlebnisse, und mindestens genauso echt und ehrlich wie ich selbst als Mensch bin. So begeistere ich auch heute mit viel Freude noch Gäste, nun aber bereits vor dem Besuch im Restaurant oder Hotel.

Und eines weiss ich mit Sicherheit: Der Funke eines Textes springt nur dann auf den Leser über, wenn die Geschichte wirklich echt ist. #welldonewords  #TexterFunken #echteFunken

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