12
Apr
2021
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Anna Esposito #Wortanlegerin.

Von der Wortrendite leben kann ich noch nicht, aber in Texttalente investieren werde ich voller Zuversicht weiterhin. Kreative für jedes Budget anbieten könnte eine gute Geschäftsidee sein.

Ich mag den Moment ausserordentlich gern, wenn ich am BZZ beim Aufnahmegespräch merke, dieser Mensch blüht auf dank seiner Liebe zur Sprache. Die Augen sprühen vor Freude, wenn er oder sie von seinen Schulaufsätzen, Gedichten, Raps, Hochzeitsreden, Liebesbriefen, Artikeln, Websites, Novellen, Blogs und Instabeiträgen erzählt. Es ist eine wirklich coole Gemeinschaft geworden, diese kleine Welt der kreativen Schreiberlinge, die durch unsere Hände gegangen ist. Ich hoffe, ich bekomme als Leiterin noch viele Jahre die Chance, neue Texttalente zu fördern. Es macht mein Leben reicher. Und vielleicht wollen auch Sie für Ihr Unternehmen in ein Schreibtalent investieren? Ich lege gerne ein gutes Wort für Sie ein. Weshalb es meine Mission ist, ein gutes Wort einzulegen, hat mit meiner Lebensgeschichte zu tun.

Start als Wortanlegerin.

Ich war ein leises Kind. Mein Eltern hatten das Wort und wie; temperamentvoll, auf napoletanisch und gar nicht sotto voce. Als sich meine Eltern einmal so laut gestritten haben, dass sich eine besorgte Nachbarin an der Türe meldete, legte ich ein gutes Wort für sie ein. Reflexartig sagte ich in reinstem Schweizerdeutsch: „Neinei, Frau Müller, sie müend nöd Polizei hole, es wird niemert umbracht. Mini Eltere redet nur übers Koffere packe für d’Summerferie.“

Ich habe es als Kind geschätzt, dass sich die Schweizer um meine Sicherheit sorgten, wenn sich meine Eltern in Rage redeten. Aber der sprachliche Sturm und Drang meiner Mamma und meines Papas gehörte zu ihrem Lokalkolorit, sie waren leidenschaftlich gute Menschen und taten keiner Fliege etwas zuleide. Ich habe mich damals aber entschieden, meine neue Sprachwelt zu bauen, in gutem leisen, nuancierten Deutsch, das ich mir in Bibliotheken anlas.

Mein Wortkapital wächst.

Dann bin ich als Schlieremer Vorzeige-Tschinggeli durch die Aufnahmeprüfung ins Gymi gekommen. An und für sich schon ein Achtungserfolg. Doch die Probezeit zu bestehen, als faulste Schülerin der Welt, das grenzte schon an das Wunder von San Gennaro. Dr. Maurus Hirschle, mein Latein- und Klassenlehrer, lotete während des Gesprächs über meine miserablen Noten behutsam aus, wie ich es denn so hielt mit den Hausaufgaben. Ich schilderte ihm die Misere Oskar preiswürdig: „Wüssed Sie, ich han keis eignigs Zimmer und kein Ort, um z’lerne. Aber ich würd ja gern lerne.“ Was geflunkert war, da meine Mamma sehr wohl für Ruhe sorgte am Esstisch für mich und meine Hausaufgaben. Was soll ich sagen: Der gute Mann legte ein gutes Wort für mich ein, aber damit nicht genug, als ich es lachend zu Hause erzählte, mussten meine beiden Brüder ins Schlafzimmer meiner Eltern umziehen und sie schliefen ab dann im hinteren Teil des Wohnzimmers. Ich war sprachlos vor der Macht der Worte.

Mein Sprachtalent reift.

Ich bestand die Matura dank meiner Leidenschaft für die deutsche Sprache und sie hat mir auch zum ersten Job in einer Werbeagentur verholfen. Der nette Herr Quadri, Chef einer kleinen, feinen Agentur an der Nidelbadstrasse in Zürich Wollishofen, hat mir nicht nur einen Telefonistinnen-Job gegeben, er hat sich auch meinen letzten Satz in meinem Antritts-Monolog zu Herzen genommen. „Ich will Texteri werde. Ich weiss, dass ich das chann, ich weiss es eifach“. Was eine wilde Hypothese meinerseits war, hat er zur Wirklichkeit werden lassen, indem er mich zur BSW Texterschule angemeldet und mir ein paar gute Worte mit auf den weiteren Lebensweg mitgegeben hat.

Meine Wortaktien steigen.

Die BSW Texterschule habe ich als geprüftes Texttalent verlassen und wurde als Praktikantin in einer Werbeagentur für Waschmittel aufgenommen. Auf wie viele Arten kann man OMO mit TAED plus anders sagen? Ich weiss es. Und ich entdeckte in der Restzeit das Agenturinnenleben. Es gab die Berater, die als natürliche Gegner der Kreativen galten, und es gab die Kunden, die wir als Kreative unbedingt für unsere Ideen gewinnen mussten. Ich versagte meistens, bis ich eines Tages für eine Publireportage für Lego Ritter und Schlösser-Bausets folgende Headline schrieb: „Viel Feind, viel Ehr.“ Die Beraterin Sonja Sigg hat von Herzen gelacht, als sie sie gelesen hat, und sie dem Kunden verkauft. Ab dann galt ich als gute Texterin. Was soll ich sagen, ausser: Viel Wort viel Ehr.

Return on Wortvestment.

Meine Feuertaufe bestand ich in meiner ersten kreativen Topagentur. Bei Lesch + Frei war ich, ausser der Buchhalterin und einer Art Directorin, die die Ehefrau des Inhabers war, das einzige weibliche Format inmitten von fünfundzwanzig Männern. „Wer nöd tschutte cha, chan au nöd tegste.“ war das Credo meines Chefs Peter Lesch, auch weil Aldo Frei mich für ihn engagiert hatte, ohne ihm ein Wort zu sagen. Ich war also als Plagegeist und Witzfigur gedacht von Anfang an. Doch ich habe mich durchgebissen durch die Briefings, habe mich für das Prestige-Etat, eine intellektuelle Wochenzeitung, positioniert und eines Tages habe ich ihn geschrieben, den besten Headline-Duktus der Welt für eine Inserenten-Werbekampagne der Weltwoche. Damals noch links. Ausgesuchte Verben, ein perfektes Wortbild nach dem anderen und ein wortloses Hinlegen meines Manuskripts haben… gopferteckel ein Lob und ein Lächlen von Peter Lesch hervorgezaubert: „Du chasch es ja doch!“ Dieses Quittieren lancierte meine Karriere. Denn auf einmal war ich ein Talent, der Lesch mein Mentor und alle anderen hatten es ja schon immer gewusst, dass Aldo eine gute Nase hatte. Und wollte mich der Bosch auch, und der Butz sowieso.

Von der Konzepterin zur Kursleiterin: Eine Buchstabensuppe.

Als Konzepterin selbständig sein war ein grossartiger Spass und hat viel Geld eingebracht. Ich wurde für Pitches und kreative Ideen als Freelancer geholt, gründete eine Werbeagentur und war Teil einer Kommunikationsagentur. Als ich schon für fast alles geworben hatte, kam eine neue Herausforderung. „Willst Du für mich einspringen und Kreation dozieren?“, fragte eine Kollegin und eine neue Weiche war gestellt.  Heute bin ich vor allem Bildungsgangsleiterin, doziere, organisiere und coache und bin erstaunt, dass ich so viel zu erzählen habe. Ich lege sehr viel gute Wörter ein, damit jemand den Traum, Texter oder Texterin zu werden, realisieren kann. Es ist ein Privileg mit Creative Coaching, Sprachtalente zu professionellen Schreibern zu machen und durch die eidgenössische Prüfung zu bringen.

 

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2 Responses

  1. Sehr schön. Aber ich hätte gerne noch ein bisschen von den wichtigen Worten aus deinem Leben gelesen. Worte, die in jedem Lebensabschnitt eine zentrale Bedeutung hatten. 🙂

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